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Studie: die Mittelschicht wird immer dünner

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass in Deutschland die Lohnabstände immer weiter auseinander gehen. Während immer weniger Menschen zu den mittleren Einkommensbeziehern zählen, wachsen die Ränder der Gesellschaft: sowohl die Armen und Geringverdiener, als auch die Spitzenverdiener werden immer mehr.

Wie die Zeitung DIE ZEIT berichtet, sind die DIW-Ökonomen besorgt, da nun die Kluft zwischen Arm und reich auch die Mitte der Gesellschaft errecht hat. Die Angst davor, finanziell abzusteigen, oder sogar in Armut zu geraten, wächst bei der Mittelschicht. Während vor acht Jahren noch 62 Prozent der Bevölkerung mittlere Einkommen hatten, sank die Zahl bis heute auf 54 Prozent. Die Extreme wuchsen hingegen auf beiden Seiten um insgesamt 23 Prozent.

Drei Entwicklungen machen die Experten für das steigende Ungleichgewicht verantwortlich: erstens die Globalisierung mit dem steigenden Konkurrenzdruck, zweitens der Kostendruck, der gleichzeitig mit steigenden Dividenden und Gewinnen der Kapitaleigner verbunden war, und drittens speziell auf Deutschland bezogen die politische Richtung, die zu einem massiven Umbau der Beschäftigungsverhältnisse geführt hat.

Minijobs und Teilzeitbeschäftigungen nehmen zu, Zeitverträge und Leiharbeitsverhältnisse üben Druck auf die Löhne aus, und die Hartz-Gesetze haben zu einer Zunahme von Armut und Perspektivlosigkeit geführt. Waren im Jahr 2000 noch 64 Prozent der Beschäftigten vollzeitbeschäftigt, sank der Anteil bis 2006 auf 55 Prozent.

Auch der Aufstieg aus schlecht bezahlten Arbeitsverhältnisse wird immer schwieriger. Die Forscher stellen eine „klare Verfestung“ der Einkommensschichten fest. 66 Prozent der Schlechtverdienenden vor vier Jahren gehören heute noch immer zu den „Armen“. Vor zehn Jahren lag dieser Prozentsatz noch bei 54 Prozent.  Und Abstiege sind häufiger als Aufstiege. Rund 13 Prozent aller Beschäftigten (!) rutschten zwischen 2000 und 2006 in die unteren Einkommensschichten.

Besser sind die Aufstiegschancen der Mittelschichtler nach ganz oben: rund elf Prozent der Beschäftigten schafften den Sprung in die obersten Gehaltsklassen. Der Anteil der Spitzenverdiener lag 2006 bei 20,5 Prozent. Jeder fünfte Beschäftigte verdient deutlich mehr als der Rest der Gesellschaft.

Prägnant ist im Ergebnis außerdem die Befragung der Beschäftigten, ob sie sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Während in den achtziger Jahren über 40 Prozent der Deutschen antworteten, sie lebten sorgenfrei, und in den Neunzigern immer noch weit mehr als 30 Prozent angaben, keine Sorgen um ihre berufliche Zukunft zu verspüren, sind dies im Jahr 2006 nur noch 23 Prozent. Die Risiken einer zunehmenden Arbeitslosigkeit sind nicht vorbei, wenn auch die Studie die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen noch nicht mit aufgreifen konnte.

Quelle: Die Zeit



Erschienen am 07.03.08, Roland Betz

 
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